Max Schönhaus gewinnt bei den NRW International in Troisdorf das deutsche Endspiel gegen Mika Petkovic und sichert sich auch den Doppeltitel – ein starkes Signal für die Zukunft des deutschen Herrentennis.
Diese Turnierwoche bekam genau das Finale, das sie verdient hatte: ein deutsches Endspiel, zwei Freunde auf dem Center Court und ein Publikum, das bis zum letzten Ballwechsel spürte, dass in Troisdorf gerade mehr zu sehen war als ein gewöhnliches ITF-Turnier. Max Schönhaus setzte sich am Sonntag bei den NRW International im Endspiel mit 6:4, 6:3 gegen Mika Petkovic durch und vollendete damit eine Woche, in der er nicht nur spielerisch, sondern auch in seiner Präsenz wie ein kommender Topspieler wirkte.
Rund 600 Zuschauer sorgten zum Abschluss für den passenden Rahmen, und auch wenn viele am liebsten noch länger geblieben wären, hatte dieses Finale in seiner Dichte und Qualität genau die richtige Länge. Das Wetter spielte mit, die Stimmung auf der Anlage von Rot-Weiß Troisdorf war an allen Tagen auffallend positiv, und sportlich hielt das M30-Turnier, dotiert mit 30.000 US-Dollar, was das Feld versprochen hatte.
Schönhaus war am Sonntag der reifere Spieler, obwohl er sogar etwas jünger ist als sein Finalgegner. Sein Tennis wirkte variabel, aber nie verspielt; druckvoll, aber nie hektisch. Vor allem in den wichtigen Momenten fand er die klareren Lösungen, nahm Petkovic früh Zeit und hielt das Tempo von der Grundlinie hoch, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Dass dieses Endspiel als Wunschfinale wahrgenommen wurde, hatte gute Gründe. Schönhaus war als Nummer fünf gesetzt, Petkovic als Nummer sieben, und beide hatten sich mit starken Leistungen durch ein anspruchsvolles Tableau gearbeitet. Schönhaus besiegte auf dem Weg ins Finale unter anderem Mac Visser, Kai Wehnelt und im Halbfinale Marcel Zielinski mit 6:2, 3:6, 6:3; Petkovic setzte sich unter anderem gegen Marvin Möller und Viktor Durasovic durch und gewann sein Halbfinale gegen den Norweger nach Satzrückstand mit 4:6, 6:4, 6:3.
Gerade deshalb passte dieses Finale auch als sportliches Bild für die deutsche Entwicklung im Männerbereich. Mit Schönhaus, Petkovic und Niels McDonald prägten mehrere deutsche Nachwuchsspieler die Woche sichtbar. McDonald, der per Wildcard im Hauptfeld stand, erreichte nach einem Dreisatzsieg gegen Yannic Williams das Achtelfinale und lieferte dort dem Polen Marcel Zielinski ein intensives Match, das erst im dritten Satz entschieden wurde.
McDonald und Schönhaus tragen schon seit ihren Juniorenjahren große Erwartungen, und das nicht ohne Grund. Die Turnierwebsite hatte beide vor dem Event als deutsche Junioren-Grand-Slam-Champions beziehungsweise Finalisten hervorgehoben. Schönhaus wurde dort unter anderem mit dem Wimbledon-Juniorendoppeltitel 2024, dem Finale bei den Junioren-French-Open 2025 und einem Challenger-Halbfinale in Koblenz Anfang 2026 vorgestellt; McDonald mit seinem Titel bei den Junioren-French-Open 2025 und dem Gewinn der U18-Europameisterschaften 2025.
Troisdorf bekam in dieser Woche damit nicht nur gutes Tennis, sondern einen sehr konkreten Blick auf die mögliche Zukunft des deutschen Herrentennis. Auffällig war dabei nicht allein das Niveau, sondern auch das Auftreten der jungen Deutschen. Gerade Schönhaus und Petkovic zeigten über die gesamte Woche hinweg eine bemerkenswerte Professionalität, blieben auch in schwierigeren Phasen ruhig und präsentierten sich auf und neben dem Platz als starke Botschafter ihres Sports. Diese Mischung aus Qualität, Haltung und Selbstverständnis machte das Turnier auch atmosphärisch besonders.
Für Schönhaus wurde es sogar die perfekte Woche. Neben dem Einzeltitel gewann er auch die Doppelkonkurrenz an der Seite von Kai Wehnelt. Das Duo setzte sich im Finale mit 6:3, 6:4 gegen Christoph Negritu und Adrian Oetzbach durch, nachdem Schönhaus/Wehnelt zuvor bereits gegen die topgesetzten Jannik Opitz und Tom Zeuch sowie gegen Barsukov/Ehrenschneider gewonnen hatten.
Ein Blick ins Hauptfeld und in die Auslosung zeigt zudem, wie stark das deutsche Kontingent insgesamt aufgestellt war. Im 32er-Einzel standen unter anderem Max Schönhaus, Mika Petkovic, Niels McDonald, Marvin Möller, Christoph Negritu, Kai Wehnelt, Louis Wessels, Adrian Oetzbach, Nino Ehrenschneider und mehrere weitere deutsche Spieler. Aus der Qualifikation schafften es Sydney Zick, Mac Visser, Lasse Poertner, Justin Schlageter, Maximilian Oezcelik, Tom Zeuch und Kaspar Mathes ins Hauptfeld.
So bleibt von dieser Woche in Troisdorf mehr als nur ein Ergebnisbogen. Es war ein Turnier mit hoher sportlicher Qualität, mit erfreulich viel Resonanz auf der Anlage und mit einem Finale, das Lust auf mehr machte. Veranstalter Marc Raffel brachte den Eindruck der Woche in einem Satz auf den Punkt: „Ich war in den vergangenen Jahren eher kritisch, was die Zukunft des deutschen Tennis angeht. Aber wenn man Spieler wie Max Schönhaus und Mika Petkovic hier so erlebt, dann kann man auf das deutsche Herrentennis wieder sehr positiv blicken.“
Und Schönhaus? Für ihn war Troisdorf ein weiterer Schritt in einer Entwicklung, die längst Fahrt aufgenommen hat. Auf der Turnierwebsite wurde er zuletzt mit ATP-Rang 472 geführt; sein Ziel, sich bis zu den Australian Open 2027 in den Bereich der Qualifikation vorzuarbeiten, bekommt nach dieser Woche zusätzliche Plausibilität. Troisdorf hat an diesem Sonntag nicht nur einen Sieger gesehen, sondern vielleicht einen Spieler, der noch deutlich größere Bühnen erreichen kann.





















