Beim NRW International prägen deutsche Siege das Bild, Cruz Hewitt (Foto oben) sorgt für internationales Interesse, und mit Max Schönhaus und Niels McDonald rücken zwei Nachwuchshoffnungen vor dem Donnerstag besonders in den Fokus.
Es sind genau diese Turniertage, die einem M25 seine besondere Spannung geben: viele junge Spieler im Aufbruch, enge Felder, kurze Wege zwischen Nebenplatz und großer Geschichte. Beim NRW International in Troisdorf war der Mittwoch so ein Tag. Auf der Anlage des TC Rot-Weiß Troisdorf verdichteten sich sportliche Qualität, sommerliche Bedingungen und eine auffallend starke deutsche Präsenz zu einem Turnierbild, das weit über bloße Erstrundenergebnisse hinausgeht. Als Station der ITF World Tennis Tour ist Troisdorf für viele Spieler ein Sprungbrett in Richtung vordere Regionen in die ATP-Weltrangliste – und genau das war an diesem Mittwoch auf mehreren Courts zu beobachten.

Aus deutscher Sicht fiel der Tag insgesamt positiv aus. Sydney Zick bestätigte seine starke Woche mit einem 6:3, 6:3-Erfolg und nahm den Schwung aus der Qualifikation direkt mit. Justin Schlageter setzte sich mit 7:6(4), 6:4 durch, Adrian Oetzbach gewann nach hartem Verlauf 7:6(1), 5:7, 6:3, und Louis Wessels überzeugte mit einem klaren 6:3, 6:3. Auch Mika Petkovic blieb bei seinem 6:2, 6:2 ohne größere Probleme, während Kai Wehnelt bei einer 6:4, 1:0-Führung vom verletzungsbedingten Ende seines Gegners profitierte. Hinzu kommt der bereits vom Dienstag bekannte starke Auftakt von Niels McDonald, der sich mit seinem Dreisatzsieg gegen Aaron Williams früh in den Fokus gespielt hatte.
Besonders genau wird in Troisdorf auf jene deutschen Spieler geschaut, die über das aktuelle Turnier hinaus eine Entwicklung andeuten. Dazu zählen Max Schönhaus und Niels McDonald ganz besonders. Schönhaus, an Position fünf gesetzt, kam am Mittwoch ohne Schlagwechsel weiter, weil sein Gegner Jeffrey von der Schulenburg krankheitsbedingt nicht antreten konnte. Sportlich ist das kein Sieg, der Rhythmus erzeugt, strategisch aber verschafft es ihm Kraft für einen Donnerstag, an dem er in Einzel und Doppel gefordert sein wird. McDonald wiederum bleibt nach seinem dramatischen Auftakterfolg einer der Spieler, die in dieser Woche am meisten Aufmerksamkeit ziehen.
Das internationale Schlaglicht des Tages setzte Cruz Hewitt. Der Australier gewann sein Match gegen den Deutschen John Sperle mit 6:4, 6:3 und wurde damit zur auffälligsten Geschichte des Mittwochs. Hewitt ist nicht nur der Sohn von Lleyton Hewitt, sondern wird in Troisdorf von John Millman begleitet, dem früheren Top-33-Spieler und Federer-Bezwinger bei den US Open 2020. Auf der anderen Seite stand mit John Sperle ein Deutscher, der von Marc-Kevin Goellner trainiert wird, dem ehemaligen Davis-Cup-Sieger und früheren Weltranglisten-26. Allein diese Konstellation verlieh der Partie zusätzliche Tiefe.
Turnierveranstalter Marc Raffel zeigte sich vom Auftritt des jungen Australiers angetan: „Cruz hat mich hier positiv überrascht. Er spielt eigentlich am liebsten auf Rasen. Dafür hat er seine Sache heute richtig gut gemacht.“ Das ist ein bemerkenswerter Befund, weil Troisdorf auf Sand gespielt wird und Hewitt sich auf diesem Belag entsprechend anpassen musste. Dass ihm das gegen einen gut begleiteten deutschen Gegner so überzeugend gelang, erklärt, warum dieses Match auf der Anlage besonders aufmerksam verfolgt wurde.
Auch im Doppel bleibt die deutsche Dichte hoch. Max Schönhaus und Kai Wehnelt hatten bereits zum Auftakt mit 6:3, 6:2 gewonnen und stehen nun im Viertelfinale. Dort treffen sie am Donnerstag auf Nikolai Barsukov und Nino Ehrenschneider. Ebenso im Viertelfinale stehen Jannik Opitz und Tom Zeuch als topgesetztes Duo gegen Vesa Ahti und Viktor Durasovic, außerdem spielen Christoph Gayk/Cedric Stanke gegen Christoph Negritu/Adrian Oetzbach sowie Henrik Thomas Neuss/Yannic Nittmann gegen Lasse Pörtner/Sydney Zick.
Der Donnerstag verspricht damit einen dichten, deutschen Tennistag. Im Einzel trifft Niels McDonald am späten Nachmittag auf Marcel Zielinski, während Max Schönhaus gegen den Niederländer Mac Visser gefordert ist. Dazu kommen die deutschen Paarungen Mika Petkovic gegen Nino Ehrenschneider sowie Justin Schlageter gegen Adrian Oetzbach, außerdem spielt Kai Wehnelt gegen Cruz Hewitt. Mit Marvin Möller gegen Kenny de Schepper, Sydney Zick gegen Topgesetzten Matteo Martineau und Louis Wessels gegen Viktor Durasovic ist der Spielplan auch darüber hinaus hochkarätig besetzt.
Genau darin liegt die Qualität dieses Turniers. Troisdorf ist in dieser Woche nicht nur Gastgeber eines gut besetzten M25, sondern ein Ort, an dem Entwicklung sichtbar wird: Qualifikanten nutzen ihren Lauf, gesetzte Deutsche behaupten sich, internationale Talente setzen Akzente, und junge Spieler sammeln auf professioneller Bühne Erfahrungen, die sich in der Weltrangliste irgendwann auszahlen können. Der Mittwoch hat das eindrucksvoll unterstrichen – mit vielen deutschen Momenten, einer interessanten Hewitt-Geschichte und dem Gefühl, dass die wichtigsten Kapitel dieser Woche erst noch geschrieben werden.
